Die undurchsichtigen Märkte

Dienstag den 3.01.2012

In den Medien wurde in den vergangenen Monaten immer häufiger von den Märkten gesprochen. Die Märkte und ihre Entwicklung sind maßgeblich für die gute oder schlechte Stimmung der Politiker verantwortlich. Es wird sehr abstrakt von den Märkten gesprochen – dabei gibt es doch auf jedem Markt bestimmte Personen, die entweder als Käufer oder als Verkäufer auftreten.

Aus den Mediendiskussionen, die sich im Zuge der Schuldenkrise immer mehr auf das Geschehen an den Märkten konzentrieren, kristallisiert sich folgendes Bild heraus. Mit den Märkten sind in erster Linie die Finanzmärkte gemeint. An den Finanzmärkten wird das so genannte "Teufelszeug" gehandelt. Das Wort Derivate steht für ein riskantes Spekulationspapier, das die Welt jederzeit in den Abgrund treiben kann. Die Akteure an den Finanzmärkten sind die "geldgeilen" Banker, Hedgefonds-Manager und sonstige undurchsichtige Personen, die sich hinter Computern in hohen Türmen verstecken und von dort aus mit wilden Spekulationen die Märkte negativ beeinflussen und ganze Staaten angreifen.

Wie der Markt funktioniert

Doch ist es tatsächlich so – und was macht die Finanzmärkte eigentlich aus? An jedem Markt beeinflussen das Angebot und die Nachfrage den Preis. Die Qualität des Produktes ist ebenfalls wichtig. Im Gegensatz zu den Märkten, an denen reale Güter gehandelt werden, wird an den Finanzmärkten meistens ein abstraktes Produkt verkauft, das ein Recht verbrieft. Dieses Recht berechtigt den Inhaber zur Ausübung einer Handlung (meistens Kauf oder Verkauf) oder garantiert einen Geldbezug.

Für die gehandelten Papiere gibt es selbstverständlich einen fairen Preis. Doch meistens bestimmen Spekulationen den Preis des Wertpapieres. Die Spekulationen basieren auf bestimmten Erwartungen oder Prognosen.  Entscheidend ist dabei der Informationsvorsprung, der aufgrund des globalen Informationsflusses nicht ohne weiteres zu erreichen ist. Außerdem dürfen bestimmte Informationen nicht an der Börse ausgespielt werden – der Insiderhandel ist beispielsweise verboten.

Doch unabhängig vom Informationsvorsprung möchten viele Teilnehmer an der Börse als Gewinner das Kampffeld verlassen. Der Spruch "Den Letzten beißen die Hunde" kann durchaus auch für das Geschehen an der Börse angewandt werden. Wer am Anfang einer Kette steht, gewinnt meistens. Sie steigen zu niedrigen Kursen ein und veräußern ihre Papiere am Höhepunkt.

Jeder ist ein Spekulant

Interessant ist die Tatsache, dass viele Privatkäufer auch Spekulanten sind. Wer ein Wertpapier kauft und auf steigende Kurse hofft, kann durchaus als Spekulant bezeichnet werden, da er auf steigende Kurse spekuliert. Wer also Fondsanteile kauft (auch im Rahmen einer Riester-Rente), ist ein Teil des Finanzmarktes. Es sind nicht nur die Banken und Hedge-Fonds, die wild spekulieren. Ausgenommen sind Sparer, die Zinserträge etwa auf einem Tagesgeldkonto erwirtschaften.

Natürlich gibt es einen Hochfrequenzhandel, bei dem innerhalb weniger Sekunden mehrere Orders nach einem bestimmten Algorithmus platziert werden. Doch illegal ist dies nicht und die Auswirkungen des Hochfrequenzhandels auf globale Kurse sind sehr eingeschränkt.

Die Märkte dulden keine Schwäche und Ungewissheit. Gerät beispielsweise ein Staat in den Fokus der Märkte, so handelt es sich nicht um eine Hetzjagd, sondern um reine Einschätzungen, Erwartungen, Spekulationen. Natürlich ist es für Staaten unbequem, da sie für ihre Refinanzierung hohe Zinsen bezahlen müssten – doch bisher hatte der Markt stets die Lage richtig eingeschätzt.