Zweifel an Bonität der USA

Dienstag den 19.04.2011

Die Nachricht war nicht nur eine negative Botschaft für die Finanzmärkte in Amerika, sondern hatte auch Signalwirkung an der Deutschen Börse: Die Ratingagentur Standard & Poor’s zweifelte gestern öffentlich die Bonität der USA an, verbunden mit der Ankündigung die Bestnote „AAA“, die derzeit noch für amerikanische Staatsanleihen gilt, abzuerkennen, wenn die Politik nicht bald merkbare Maßnahmen gegen die immense Staatsverschuldung trifft. Die Begründung dieser Ankündigung ist damit ganz pragmatisch: Seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 habe es in den USA keine wirkungsvollen Initiativen der Politik gegeben, die Finanzpolitik des Staates wieder in ruhiges Fahrwasser zu lenken, so die Ratingexperten. Tatsächlich hat US-Präsident Barack Obama in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Notenbank (Federal Reserve) zwei große Konjunkturpakete geschnürt, die das Budgetdefizit des Staates extrem ausgeweitet haben. Dass die Federal Reserve der USA in einem so großartigen Maße eigene Staatsanleihen aufkauft, stieß bei vielen Ökonomen ohnehin auf großen Widerstand. Vor allem kam dieser auch als Deutschland, wo die deutsche Stabilitätskultur viele Anhänger hat.

Als Reaktion auf diese Ankündigung der Ratingagentur, die in Deutschland nur den Status eines „Instituts der freien Meinungsäußerung“ tragen, brachen die Aktienkurse international ein. Der DAX musste immerhin gut 2 Prozent einbüßen und auch die Indizes an anderen internationalen Börsen verzeichneten Kursrückgänge. In den meisten Fällen gibt es aber dann bei anderen Anlageprodukten auch positive Reaktionen. Diese konnte man gestern insbesondere am Goldpreis nachvollziehen, der auf ein Rekordhoch anstieg. In Zeiten derartiger Unsicherheit an den Börsen und in Konsequenz auf beunruhigende Ankündigungen flüchten Anleger ihr Geld häufig in sichere Anlageformen. Neben dem Goldpreis zählen dazu im Allgemeinen auch Tagesgeld- und Festgeldprodukte. Dieser Trend war bei Ausbruch der Japan-Krise erkennbar, die Ankündigung von Standard & Poor’s gestern konnte dem nicht in derartigem Maße Paroli bieten.