EZB-Chefsessel: Mario Draghi hat alle Chancen

Mittwoch den 20.04.2011

Zahlreiche Kommentare und Äußerungen von Politikern machen das Szenario immer wahrscheinlicher: Der Italiener Mario Draghi könnte auf Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) folgen. Dass Trichet’s Amtszeit in naher Zukunft abläuft, steht schon lange Zeit fest. Doch im Kandidaten-Karrussell hatte es erst kürzlich mit dem Rückzug von Bundesbank-Chef Axel Weber frischen Wind gegeben. Der Deutsche galt lange Zeit als Top-Favorit auf den Sessel des EZB-Präsidenten und das nicht nur, weil er fachlich durch seine langjährigen Erfahrungen ein hervorragend geeigneter Kandidat gewesen wäre, sondern weil diese Lösung in Europa auch machttaktisch möglich gewesen wäre. Es bleibt auch die Tatsache, dass Weber der Favorit von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewesen wäre. Mit seinem Rückzug, sowohl vom Posten des Bundesbank-Präsidenten und damit auch als Kandidat für den EZB-Chefsessel, scheint eine deutsche Kandidatur mangels geeigneter Anwärter aussichtslos. Dies scheinen einflussreiche Politiker, darunter wohl Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, mittlerweile erkannt zu haben. Wie kürzlich berichtet wurde, kann sich Schäuble den Italiener Mario Draghi sehr gut als EZB-Präsidenten vorstellen.

Neben Schäuble wird die Zahl der Fürsprecher immer größer. Auch die FDP will sich, so hört man aus Parteikreisen, schon bald offiziell für Draghi aussprechen. Dies würde Merkel unter starken Druck in der Koalition setzen, ebenfalls diesen Weg einzuschlagen. Die Kritik, die es nach wie vor auch an der Person Draghi gibt, halten FDPler für unangemessen. Zum Beispiel dürfe die Staatsangehörigkeit bei derartigen Kandidaturen keinerlei Rolle spielen. Schließlich hat jedes Euroland das Recht, einen Kandidaten ins Rennen zu schicken. In Zusammenhang mit der Euro-Krise waren immer wieder Stimmen laut geworden, dass ein Italiener, dessen Heimatland selbst stark von einer Schulden- und Wirtschaftskrise gebeutelt ist, nicht unbedingt ein gutes Signal für die Preisstabilität in der Euro-Zone wäre.