China will Währungsreserven umschichten

Dienstag den 26.04.2011

Viele Ökonomen und Finanzexperten divergieren in ihren Meinungen über die angedrohte Abstufung des Ratings für die USA. Einige meinen, dass diese Drohung und selbst die tatsächliche Herabstufung kaum Auswirkungen haben werden. Schließlich sei das hohe Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten schon seit Jahren, bald Jahrzehnten, ein bekanntes Thema und eine mögliche Rating-Abstufung keine große Überraschung. Auch die Auswirkungen würden sich in Grenzen halten, schließlich sei die USA das Mutter- und Kernland der Finanzmärkte und es gäbe genug Einfluss auf die Ratingagenturen, um eine Herabstufung notfalls im letzten Moment noch zu verhindern.

China und seine US-Staatsanleihen

In diesem Zusammenhang wird auch über den Einfluss aus China gesprochen. Schließlich hat China immense Währungsreserven in US-Dollar aufgebaut, deren Kurs letztlich auch im Zuge einer Abstufung ins Trudeln geraten könnte. An einem möglichen Wertverlust dürften auch die Chinesen keinerlei Interesse haben, darf zu mutmaßen sein. Der Wert dieser Reserven ist ohnehin nicht nur von derartigen außerordentlichen Ereignissen stark abhängig, sondern auch permanent von den geldpolitischen Vorgängen in den USA. Und wer die Federal Reserve kennt, der weiß, dass manche Schritte unkalkulierbar sein können.

Standard  & Poor’s: Schlafende Hunde wachgerüttelt

Aus diesem Grund hat die chinesische Regierung jetzt offensichtlich gehandelt: Wie bekannt wurde, ist geplant ein Großteil der Devisenreserven umzuschichten und US-Staatsanleihen loszuwerden. Anstelle der Anleihen sollen Aktien und Unternehmensbeteiligungen treten, die ohnehin eine höhere Rendite versprechen und die besagten Abhängigkeiten nicht in dem Maße mit sich bringen wie US-Staatsanleihen. Dies könnte eine erste reale Reaktion auf die bloße Ankündigung einer Herabstufung des US-Ratings sein. Wenn dies so wäre, hatte die Ratingagentur S&P’s ihr Ziel erreicht: Der Weckruf hat schlafende Hunde wachgerüttelt.