Inflation: Kein Gegenlenken der Federal Reserve

Donnerstag den 28.04.2011

Gestern fand nach der Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (Fed), der amerikanischen Notenbank, eine Premiere statt. Fed-Chef Ben Bernanke trat in einer groß angelegten Pressekonferenz vor die Medien und erläuterte die Entscheidung des Ausschusses, die Leitzinsen wie gehabt bei nahe 0 Prozent zu belassen. Für diesen Auftritt, den Bernanke nun regelmäßig vollziehen will, hatte sich der Notenbankchef extra von Mediencoaches trainieren lassen und fleißig geübt. Die Verwunderung, mit der viele Journalisten die Argumentation für das Belassen des Leitzinses bei 0 Prozent zur Kenntnis nahmen, konnte mit dieser Konferenz dennoch nicht gemildert werden.

Federal Reserve bleibt bei Nullzinspolitik

Ben Bernanke und die amerikanische Fed stehen vor zwei großen Aufgaben: Zum einen ist die Fed verpflichtet, die Preiswertstabilität zu garantieren, andererseits allerdings auch das Wachstum und die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten zu fördern. Diese zwei wirtschaftspolitischen Ziele, die nach Meinung zahlreicher Ökonomen in erheblichem Widerspruch (Magisches Viereck) zueinander stehen, macht die Entscheidung über den US-Leitzins nicht gerade leicht. Zum einen kennt die Inflation aktuell nur eine Richtung: nach oben. Zum anderen ist die US-Wirtschaft und vor allem die Beschäftigung noch nicht wieder in einem derartigen Maße angesprungen, wie man sich bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich erhofft hatte. Aus der einen Sicht müsste man die Zinsen daher nun eigentlich erhöhen, aus der anderen Sicht wiederum nicht. Diese Gegensätze bieten großes Konfliktpotential.

Preiswertstabilität und Konjunktur – gegensätzliche Ziele bergen Konfliktpotential

Die Europäische Zentralbank hingegen ist ausschließlich auf die Preiswertstabilität verpflichtet und kann somit wesentlich unabhängiger von politischem Einfluss agieren. Auch für die Pressekonferenz war die EZB mit ihrem Präsident Jean-Claude Trichet ein Vorbild: Ben Bernanke studierte die Auftritte seines Amtskollegen bei Pressekonferenzen um in Zukunft selbst mehr öffentliche Transparenz für die Arbeit der Fed schaffen zu können. Sollte dies nicht gelingen und sollte sich herausstellen, dass die Entscheidungen falsch sind, dann wird es allerdings noch häufiger Premieren und Umstrukturierungen bei der Fed geben müssen. Beispielsweise im Hinblick auf die Ziele.