Finanzwelt: Personalkarussell dreht sich

Montag den 16.05.2011

Stabilität sieht anders aus – die Wirtschafts- und Finanzwelt ist nicht erst seit dem aktuellen Skandal des Chefs des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, von Personaldebatten dominiert. Kaum wurde der Skandal des französischen IWF-Chefs bekannt, diskutierte die politische Klasse über potentielle Nachfolger. Peer Steinbrück, studierter Volkswirt, und in der Großen Koalition unter Führung von Angela Merkel ausgewiesener Finanzexperte und Krisenmanager, wurde ins Gespräch gebracht. Dieser bereitet sich allerdings derzeit wohl hinter vorgehaltener Hand auf eine Kanzlerkandidatur vor. Dies zeigt eine Parallele zu Strauss-Kahn auf: ihm sagt man Ambitionen auf das Präsidentenamt in Frankreich nach.

Peer Steinbrück: Volkswirt mit Kanzler-Ambitionen und IWF-Format?

Eine andere Personalie in der Finanzwelt scheint bereits so gut wie geklärt: der italienische Notenbankchef Mario Draghi wird höchstwahrscheinlich neuer Präsident der Europäischen Zentralbank und damit Nachfolger des Franzosen Jean-Claude Trichet. Nachdem bereits Frankreichs Staatschef Sympathien für den Italiener geäußert hatte und durch geschickte Manöver auch von anderer Seite Rückendeckung kam, schien die Sache bereits so gut wie gegessen. Nur aus Deutschland stieg Widerstand empor: Angela Merkel wollte sich offensichtlich ein Veto für einen deutschen Kandidaten vorbehalten. Doch nachdem Finanzminister Wolfgang Schäuble ebenfalls öffentlich kundtat, dass er Draghi als hervorragenden Kandidaten ansehe, geriet Merkel unter Zugzwang. Schließlich befürwortete auch sie die Kandidatur von Mario Draghi.

Mario Draghi: adäquater Kandidat für die EZB-Spitzenposition

Merkel war letztlich auch einer der besten Finanz- und Wirtschaftsfachmänner abhanden gekommen: Der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber, der an sich als aussichtsreicher Kandidat für den EZB-Chefposten galt, warf vor kurzem unvorhergesehen das Handtuch bei der Bundesbank  und verbaute sich damit den Weg an die EZB-Spitze. Dafür kann er immerhin jetzt frei reden: auf einer Veranstaltung kritisierte er den geldpolitischen Kurs der Bundesregierung und die expansive Geldpolitik der Zentralbanken.