Expansiv oder Restriktiv: Das Dilemma der EZB

Donnerstag den 19.05.2011

Die Preisstabilität ist das Maß, dem sich die Europäische Zentralbank (EZB) in Gänze widmet. Ihre Begrenzung ist die alleinige Aufgabe der Zentralbank, die eine Inflationsrate von nahe aber unter 2 Prozent im Euro Raum anstrebt. Sie hat die Möglichkeit durch verschiedene Instrumente wie zum Beispiel die Offenmarktpolitik oder die Mindestreservepolitik die Geldmenge im Euro-Raum zu steuern und damit indirekt Einfluss auf die Inflationsentwicklung zu nehmen.

Expansive Geldpolitik begünstigt die konjunkturelle Erholung

Seit der Finanzkrise betreibt die Europäische Zentralbank eine recht expansive Geldpolitik um die Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität sicher zu stellen. Sie vergibt günstig Kredite an die Geschäftsbanken, die ihrerseits wiederum günstige Kredite für die Finanzierung von Unternehmen anbieten kann. Niedrige Zinsen gehen mit erhöhten Investitionen einher, die wiederum die Konjunktur ankurbeln sollen. Allerdings hat diese expansive Geldpolitik natürlich nur für die Staaten Vorteile, die sich entsprechend noch mit konjunkturellen Problemen plagen müssen und einen Anstoß zurück in die wirtschaftliche Erholung benötigen. Dies sind aktuell insbesondere Staaten wie Spanien, Irland oder Griechenland, die sich als Peripherieländer in Europa derzeit in einer schwierigen konjunkturellen Lage befinden – insbesondere wegen der Schuldenkrise.

Inflation: zu ihrer Bekämpfung wird restriktive Geldpolitik nötig

In anderen Ländern, wie den fortgeschrittenen Volkswirtschaften in der EU wie zum Beispiel Deutschland, herrscht momentan ein starker wirtschaftlicher Aufschwung vor. Konjunkturelle Erholungen stehen auch in Italien und Frankreich an – die Inflation lauert also dort bereits und macht eine etwas mehr restriktiv ausgerichtete Geldpolitik erforderlich. Darin genau liegt das Dilemma der EZB, deren Geldpolitik für manche europäische Staaten zu restriktiv, für andere wiederum zu expansiv ist. Keine leichte Aufgabe, der sich aktuell noch Jean-Claude Trichet, später Mario Draghi als EZB-Präsident stellen muss.