EZB: Schlagwort “Hohe Wachsamkeit” ist gefallen

Samstag den 11.06.2011

Die Europäische Zentralbank wird wie von den meisten Ökonomen erwartet den Trend der Zinserhöhungen wohl weiter verfolgen. Nach einer Sitzung des EZB-Rates am vergangenen Donnerstag kündigte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet jedenfalls an, dass die EZB in den kommenden Wochen mit hoher Wachsamkeit die Entwicklung der Preise verfolgen wird. Der Begriff „hohe Wachsamkeit“ gilt bei Experten als Signalwort dafür, dass die EZB weitere Zinserhöhungen vornehmen wird. Auf diese Ankündigung der EZB hin erfolgten allerdings keine nennenswerten Reaktionen an den Märkten. Offensichtlich hatten die meisten Marktteilnehmer bereits mit dieser Ankündigung gerechnet.

Europäische Zentralbank: „Hohe Wachsamkeit ist angebracht!“

Die Europäische Union befindet sich aktuell in einem starken Preisauftrieb, der kurzfristig von den stark angestiegenen Rohstoffpreisen getrieben, aber auch durch administrierte Preise und den langsam steigenden Lohnstückkosten dominiert ist. Demzufolge will die EZB in jedem Fall mit dieser Ankündigung den Anschein erwecken, dass sie diese Tendenz klar in den Fokus ihrer Aktivität stellt und den Preisauftrieb in jedem Fall im Auge hat.

Dilemma der EZB: expansive vs. Restriktive Geldpolitik

Schaut man auf die Inflationsrate, so müsste die EZB eigentlich sofort mit weiteren Zinserhöhungen eine restriktive Geldpolitik einläuten. Darin zeigt sich allerdings das Dilemma der EZB, denn eine zu stark restriktive Geldpolitik ist zwar gut zur Eindämmung der Inflation, aber sehr kontraproduktiv für die europäische Peripherie, da man hier möglicherweise die Konjunktur völlig zum Erliegen bringen würde. Keine schwierige Entscheidung also für Trichet und seine Kollegen – eine weitere Zinserhöhung ist dennoch so gut wie sicher.