Politisch verursachte Unsicherheit an den Märkten

Dienstag den 13.09.2011

Nun ist es kein verbotener Sprachgebrauch mehr: Die Staatspleite Griechenlands ist ein realistisches Szenario. Dies suggerieren Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der Ministerpräsident Bayerns, Horst Seehofer (CSU) sowie einige ihrer Parteikollegen. Zwar versucht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der ZDF-Sendung „Was nun, Herr Schäuble?“ noch die Wogen zu glätten und warnt vor einer weiteren Verunsicherung der Märkte durch derartige Aussagen. Dennoch scheint es nun aber unumgänglich, dass man auch mit dem Pleite-Szenario rechnen muss und sich für diesen Fall  mit Mitteln eindeckt.

Pleite Griechenlands ist jetzt kein Tabu-Thema mehr

Durch diese politische Diskussion und Aussagen des Wirtschaftsminister, der schon in den letzten Tagen laut Medienmeinung den DAX durch seine Äußerungen weiter auf Talfahrt schickte, sind die Märkte tatsächlich nur noch mehr verunsichert worden. Schließlich sind die Risikoaufschläge auf die Staatsanleihen von Italien und Spanien weiter gestiegen – und die Investoren an den Börsen fordern sogar noch weiter höhere Aufschläge. Die Rendite der italienischen zehnjährigen Anleihe gilt als richtungsweisend und stieg im Laufe des gestrigen Tages auf 5,51 Prozent, verbuchte damit einen Aufschlag von etwa 14 Basispunkten. Deutschland kann sich hinsichtlich seiner eigenen Bundesanleihen noch im sicheren Fahrwasser wägen. Für die zehnjährige deutsche Staatsanleihe wird derzeit eine Rendite von 1,72 Prozentpunkten bezahlt – die niedrigste Rendite seit Einführung des Euros.

Deutsche Bundesanleihen gelten weiterhin als sicher

Dieser Tiefstand der deutschen Staatsanleihen hat auch seine Gründe: Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft weiterhin munter Staatsanleihen hochverschuldeter Staaten auf und erhöht damit die Nachfrage. Gleichzeitig wird die Rendite deutscher Staatsanleihen dadurch gedrückt. Das Verfahren, dass die EZB weiterhin Staatspapiere aufkauft, ist stark umstritten. Der Chefvolkswirt der Zentralbank, Jürgen Stark, war nicht zuletzt aus Unverständnis über diese Politik der EZB von seinem Amt zurückgetreten.